Ergebnisse Umfrage Trockenheit und Hitzesommer 2026: Grosse Betroffenheit der Berner Landwirtschaft

21. Aug 2026

Die Trockenheit und die hohen Temperaturen dieses Sommers treffen viele Berner Landwirtschaftsbetriebe hart. Das zeigen auch eure Rückmeldungen aus unserer Umfrage, die wir vom 31. Juli bis 13. August durchgeführt haben. 924 Betriebe aus allen Regionen des Kantons haben teilgenommen - das sind rund 14 Prozent der BEBV-Mitglieder - das ist ein sehr guter Rücklauf.

Ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder, die sich die Zeit genommen haben, uns ihre Situation auf dem Betrieb weiterzugeben. Eure Rückmeldungen helfen uns, die Anliegen der Berner Landwirtschaft konkret und mit Zahlen belegt weiterzutragen.

Gerade in der aktuell schwierigen Situation ist die gelebte Solidarität unter den Bäuerinnen und Bauern besonders wichtig. Zusammenhalten, einander wo immer möglich aushelfen und unterstützen - sei es mit Futter, Wasser, Flächen, Maschinen, Arbeitskraft oder im persönlichen Austausch - schafft Möglichkeiten, gemeinsam Lösungen zu finden. Die regional sehr unterschiedlichen Auswirkungen der Trockenheit zeigen, wie wertvoll die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Landwirtschaft gerade jetzt ist.

Zwei Drittel sind stark oder existenzbedrohend betroffen
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: 66 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, stark oder sogar existenzbedrohend von der aktuellen Situation betroffen zu sein. Gleichzeitig gibt es grosse regionale Unterschiede.

Am häufigsten beschäftigt der Futtermangel: 81 Prozent der Betriebe melden entsprechende Herausforderung. Zusätzlich nötige Futterkäufe, Hitzestress bei den Tieren, Tiererkrankungen, Qualitäts- und Ertragsverluste, fehlendes Wasser und teilweise auch Liquiditätsprobleme gehören zu den aktuell grössten Nöten.

Viele Betriebe mussten bereits reagieren
Auf vielen Betrieben bleibt keine andere Wahl, als kurzfristig zu handeln. Besonders häufig wird bereits Winterfutter verfüttert (60 Prozent) oder zusätzliches Futter zugekauft (50 Prozent). Einige Betriebe müssen Tiere früher als geplant verkaufen oder schlachten. Andere stallen ihre Tiere früher ein, führen Wasser zu oder müssten die Bewässerung ausweiten.

Auch die Futterreserven geben Anlass zur Sorge. Von den 867 Betrieben, die dazu Angaben gemacht haben, verfügen lediglich 24 Prozent über genügend Futter für die aktuelle Situation und die kommende Winterfütterung. Bei vielen reichen die vorhandenen Reserven nur noch für wenige Monate.

Wichtigste Unterstützung
Auf die Frage, welche Unterstützung am dringendsten benötigt wird, wurden klare Schwerpunkte genannt: Unterstützung beim Futterzukauf, praxistauglichere beziehungsweise vorübergehend gelockerte Vorschriften sowie finanzielle Entlastungen. 40 Prozent der Betriebe haben geantwortet, dass sie sich bereits organisiert haben.

In den persönlichen Rückmeldungen wurden weitere konkrete Anliegen genannt: bessere Produzentenpreise, weniger Bürokratie, Lösungen bei Bewässerung und Wasserversorgung, eine Futterbörse sowie mehr Flexibilität bei Sömmerung und Weidenutzung. Gleichzeitig beschäftigt viele die Frage, wie sich die Betriebe langfristig auf häufigere Trockenperioden einstellen können.

Eure Rückmeldungen geben unseren Forderungen Gewicht
Die Umfrage gibt uns ein breit abgestütztes Bild davon, was unsere Mitglieder auf den Betrieben derzeit beschäftigt und wo akuter Handlungsbedarf besteht. Der BEBV setzt sich weiterhin für möglichst einfache Futtermittelimporte und für Lockerungen bei bestehenden Vorschriften ein. Administrative Erleichterungen allein reichen jedoch nicht aus: Die ausserordentlichen Kosten und Ertragsausfälle müssen sich auch in den Produzentenpreisen widerspiegeln. Detailhandel und Verarbeiter bekennen sich regelmässig zur Schweizer Landwirtschaft. Jetzt müssen Taten folgen, damit die wirtschaftliche Existenz der Bauernfamilien gesichert bleibt.

Der BEBV hat gestern in seiner Medienmitteilung den Detailhandel, Verarbeiter und alle Marktpartner dazu aufgefordert jetzt Verantwortung zu übernehmen.

Aktuelle Unterstützungs- und Handlungsmöglichkeiten für die Berner Landwirtschaft

(Stand 21. August 2026)

  • Futtermittelbörse und Flächen für Futteranbau: Über die BEBV-Futtermittelbörse können Betriebe Futter suchen oder anbieten sowie Flächen für den Futteranbau anbieten oder suchen. BEBV-Mitglieder können Futterangebote kostenlos erfassen.
    Schweizer Raufutterbörse: raufutterboerse.ch
    Futtermittelbörse Berner Bauern Verband: Futtermittelbörse - Berner Bauern Verband
  • Ausnahmeregelungen bei den Direktzahlungen: Im Kanton Bern gelten aufgrund der Trockenheit verschiedene Erleichterungen, unter anderem bei RAUS, Weidebeitrag, vorzeitiger Beweidung von Biodiversitätsförderflächen, Suisse-Bilanz, GMF, angemessener Bodenbedeckung und Sömmerung. Für diese Ausnahmen ist grundsätzlich keine Meldung ans LANAT erforderlich. Bei Zufütterung auf Sömmerungsbetrieben und bei frühzeitiger Abalpung gelten hingegen Meldepflichten. Bitte die aktuellen Vorgaben des Kantons beachten.
    Wichtige Infos bei Trockenheit und Hitze - Berner Bauern Verband
  • Erleichterungen bei Futtermittelimporten: Die Grenzbelastungen für Heu und Grassilage wurden per 1. August 2026 gesenkt. Vom 15. August bis 31. Oktober 2026 entfallen zudem Zoll und Garantiefondsbeitrag für frischen oder silierten Mais zu Futterzwecken mit höchstens 60 Prozent Trockensubstanz. Die ordentliche Zollanmeldung und die Generaleinfuhrbewilligung von réservesuisse bleiben erforderlich.
    Publication
  • Zinslose Betriebshilfedarlehen: Das Bundesamt für Landwirtschaft hat informiert, dass Betriebe, die infolge der Trockenheit in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, ein zinsfreies Betriebshilfedarlehen beantragen können. Im Kanton Bern ist die Bernische Stiftung für Agrarkredite (BAK) zuständig. Die Betriebshilfe ist aber derzeit nur eingeschränkt möglich, da die BAK aktuell nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügt. Können Kredite der BAK aufgrund der aktuellen Situation nicht zurückbezahlt werden, wird empfohlen, dass Gespräch mit der BAK zu suchen.
    Bernische Stiftung für Agrarkredite (BAK)
  • Finanzielle Unterstützung Migros Genossenschaft: Die Migros unterstützt von der Trockenheit stark betroffene Landwirtschaftsbetriebe mit einem Betrag von 2 Mio. Franken. Dies erfolgt unabhängig von der Diskussion über Preisanpassungen, die der Schweizer Bauernverband (SBV) fordert. Das Geld wird der Bucher-Gossweiler-Stiftung überwiesen, welche die Verteilung vornehmen wird. Die Stiftung publiziert am 31. August den Ablauf und die Kriterien für die Gesuchsstellung, anschliessend können Gesuche direkt bei der Stiftung eingereicht werden. Im Zentrum stehen existenzbedrohte Härtefälle.
  • Fondssuisse: fondssuisse unterstützt stark betroffene Alpbetriebe mit Beiträgen an den Mehraufwand zur Überbrückung der extremen Trockenheit 2026. Im Vordergrund stehen Beiträge an ausserordentliche Massnahmen zur Sicherstellung der Versorgung im Sömmerungsgebiet, insbesondere Transporte von Trinkwasser, Futtermitteln und erforderlichen Einrichtungen (z. B. Wassertanks), wenn nötig auch mittels Helikopter.
    Anfragen diesbezüglich können direkt via das Schadenportal des fondssuisse (fondsuisse) oder ans INFORAMA Oberland gerichtet werden: https://www.inforama.ch/beratung/alp-und-berglandwirtschaft
  • Massnahmen für die Zukunft: Beiträge für Wasserversorgungen im Berggebiet oder Entwässerungen, Bewässerungen und ähnliches im Tal sind Strukturverbesserungsbeiträge möglich (Landwirtschaftlicher Tiefbau).

Alle laufend aktualisierten Informationen bündelt der BEBV auf seiner Themenseite: https://www.bernerbauern.ch/de/politik-themen/pflanzenbau-und-oekologie/aktuelles-bei-trockenheit-und-hitze.php

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