Unzumutbare Krähenschäden in der Landwirtschaft
Unzumutbare Krähenschäden in der Landwirtschaft

Auch in diesem Frühling häufen sich die Meldungen von Landwirten, die Probleme mit Krähen haben. Es gibt Probleme in frisch gesäten Kulturen, vorab im Mais, Sonnenblumen aber auch im Gemüsebau und im Getreide können Krähen in kurzer Zeit grossen Schaden anrichten. Dazu kommen nun auch vermehrt Schäden an Siloballen oder anderem gelagerten Futter. Der finanzielle Schaden und der zusätzliche Aufwand der daraus entsteht, ist zumeist beträchtlich.

"Die Berufskollegen, die mich kontaktieren, fühlen sich mit ihrem Problem allein gelassen. Fragt man den Wildhüter um Rat und Unterstützung, so hat dieser oft auch nicht viele Möglichkeiten oder noch öfter wird das Problem heruntergespielt. Im Mais haben wir bisher mit der Beizung eine gute Option um den flächendeckenden Krähenfrass zu verhindern. Aber auch hier ist mit einem Verbot zu rechnen und somit mit einem wachsenden Problem.

 

Gemäss den Zahlen der Vogelwarte nimmt der Bestand von Krähen, sowohl Rabenkrähen, Nebelkrähen und lokal auch Saatkrähen zu. Mit steigendem Bestand nehmen natürlich auch die Probleme zu.

 

Die Landwirte erwarten in diesem Thema Unterstützung. Im Unterschied zu anderen Problemtieren braucht es hierzu auch keine Anpassung der gesetzlichen Grundlagen, sondern nur ein entschlossenes Handeln der zuständigen Behörden. Es mag stimmen, dass ein brütendes Paar die beste Gegenmassnahme zu einem allessfressenden Schwarm ist, weil diese ihr Territorium bis aufs Letzte verteidigen. Diese Antwort bringt aber einem jetzt betroffenen Landwirt nichts. Man kann in dem Zusammenhang auch nicht von einem Stadt-Land-Graben sprechen, denn auch in der Stadt Bern wird seit Jahren versucht, die Krähenproblematik in den Griff zu bekommen. Bereits wurden viele 100'000 Franken investiert und sogar Experten aus Holland eingeflogen, bisher auch hier ohne Erfolg.

 

Es ist an der Zeit hier nun entschlossen und zielgerichtet vorzugehen. Ich fordere die zuständigen Behörden auf, aktiv zu werden und nicht weiter auf Zeit zu spielen und betroffene Landwirte zu verströsten. Parallel dazu werde ich in der kommenden Session eine Motion eingeben, mit der Forderung, dass künftig Schäden an Kulturen durch Krähen, wie auch andere Wildschäden, entschädigt werden.

 

Konkrete Möglichkeiten

  • Schadenersatz durch die Behörden ist gemäss der Berner Wildschadenverordnung nicht möglich, da die Selbsthilfe zugelassen ist.

 

  • Der Landwirt kann Selbsthilfe ausüben auf dem von ihm bewirtschafteten Land. Das betrifft verscheuchen aber auch schiessen der Tiere. Für den Abschuss braucht es eine für die Jagd geeignete Waffe. Es ist aber Vorsicht geboten, damit dabei weder Mensch noch Tier gefährdet wird.

 

  • Eine Meldung an den Wildhüter für Unterstützung ist jederzeit möglich. Die Wildhüter haben die Aufgabe, die Landwirte mit geeigneten Massnahmen zu unterstützen."

 

Hans Jörg Rüegsegger, Präsident Berner Bauern Verband

STANDPUNKT, Bauernzeitung, 10. Mai 2019

Ihre Ansprechpersonen
 
Zentrale Dienste
031 938 22 22