Notfallzulassung für die Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat eine Notfallzulassung für eine chemische Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze herausgegeben. Eine chemische Bekämpfung war bisher nicht möglich. Der Schädling führt vor allem beim Obst zu enormen Schäden.
Die Marmorierte Baumwanze, auch als Stinkkäfer bekannt, wurde in die Schweiz eingeschleppt und hat sich seit 2004 ausgebreitet. Die Wanze hat ein enorm breites Wirtspflanzenspektrum, das heisst sie befällt weltweit über 200 Arten. Der Schaden entsteht vor allem bei den Einstichen, wo die Wanze an Früchten und Gemüsen saugt. Dies hat Deformationen aber auch Geschmacksveränderungen zur Folge.

Die Notfallzulassung wurde per Verfügung des BLW befristet bis zum 31. Oktober 2020 ausgestellt. Es wurden drei Wirkstoffe bewilligt:
  • Mittel mit dem Wirkstoff Acetamiprid (z.B. Gazelle)
  • Mittel mit dem Wirkstoff Spinosad (z.B. Audienz)
  • Ein Mittel mit dem Wirkstoff Spinetoram (Zorro)

Die Notfallzulassung gilt im Obst für Kernobst, Steinobst, Aprikosen, Kirschen, Pfirsiche/Nektarine sowie im Gemüsebau für Auberginen, Paprika, Tomaten und Gurken. Achtung: nicht alle Mittel haben eine Notfallzulassung für alle aufgeführten Kulturen. Die Details sind in der Verfügung (siehe Link unten) aufgeführt. Alle Mittel dürfen erst nach der Blüte (BBCH 69) und maximal 2 Mal pro Parzelle und Jahr eingesetzt werden. 

Es gibt noch wenige Informationen zur Wirksamkeit der Produkte und zur Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze. Gemäss Sabine Wieland von der Fachstelle für Obst und Beeren scheinen gewisse Wirkstoffe  vor allem gegen überwinterte Adulte und junge Nymphenstadien zu wirken. Momentan gebe es jedoch noch keine empfohlene Strategie mangels Erfahrung in der Bekämpfung. In Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen und dem SOV (Schweizer Obstverband) wird an Empfehlungen gearbeitet.

Weiter führt Wieland aus, dass viel Hoffnung in die Wirkung einer Totaleinnetzung mit Reissverschlusssystem gelegt werde, um das Einwandern der adulten Wanzen einzudämmen. Bei einer Anlage ohne Volleinnetzung muss davon ausgegangen werden, dass Adulte permanent in die Anlage einwandern.  Ein Schaden ist bei starkem Druck kaum zu vermeiden, Pflanzenschutzmittel vermögen den Schaden allenfalls zu reduzieren. 

Für eine nachhaltige Eindämmung sei die asiatische parasitoide Wespe Trissolcus japonicus (Samurai-Wespe) sehr wichtig. Die Wespe wurde 2019 auch nördlich der Alpen in Eigelegen von H. halys entdeckt. Die Organisation CABI untersucht weiterhin die Ausbreitung des Nützlings. Eigelege können nach Absprache mit der Fachstelle für Obst und Beeren zur Untersuchung eingesendet werden. 
Schweizweit sind Praxisversuche geplant, auch im Kanton Bern werden in einer Birnenanlage Daten gesammelt. Die Fachstelle Obst und Beeren empfiehlt, dass sich Produzenten bei einem geplanten Einsatz von PSM gegen die Marmorierte Baumwanze bei ihnen melden. Weiter wird empfohlen, die Wirkung der Produkte zu beobachten in dem unter den behandelten Bäumen eine 10 m lange Folie oder ein Vlies ausgelegt wird. Nach dem Einsatz kann das Vlies nach 12-14 Stunden weggenommen und die heruntergefallenen Insekten untersucht werden.

Im Kanton Bern sind im Gemüsebau bisher noch keine grossen Schäden durch die Marmoriert Baumwanze aufgetreten.


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