Bitte sachlich bleiben, auch bei schwierigen Themen
Das folgende Schreiben haben wir am Montag, 01. Juli 2019 an die Redaktionen von SonntagsZeitung, Berner Zeitung, Der Bund und Tagesanzeiger gesendet, im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung rund um die landwirtschaftliche Tierhaltung.
Sehr geehrte Medienschaffende

Der Berner Bauern Verband toleriert es auf keinen Fall, wenn Tiere auf Landwirtschaftsbetrieben nicht gemäss den geltenden Gesetzen gehalten- oder gar misshandelt werden. Aus diesem Grund arbeiten wir seit Jahren eng und gut mit dem kantonalen Veterinärdienst zusammen und sind bestrebt Probleme aktiv anzugehen und zu lösen. Wir tolerieren es aber auch nicht, wenn in einseitigen Berichterstattungen einmal mehr alle Landwirtinnen und Landwirte dem Generalverdacht der Tierquälerei ausgesetzt werden.

Es ist schlicht nicht korrekt, wie in den Artikeln von Sonntag 30. Juni und Montag 1. Juli unter den Titeln „Tausende Bauern verstossen gegen den Tierschutz“ (Sonntagszeitung) und „Zu wenig Kontrollen: Tierquäler bleiben unentdeckt“ (Berner Zeitung u.a.) generalisiert wird. Die reine Anzahl Verstösse wird ohne entsprechenden Hintergrund als absolut gesetzt. Es gilt klar zu differenzieren, ob eine Beanstandung gemacht wurde weil auf dem Kontrollformular ein Kreuz gefehlt hat, oder ob Tiere effektiv geschädigt wurden. Wenn über den Strassenverkehr berichtet wird in Bezug auf Geschwindigkeitsvergehen, dann wird auch unterschieden zwischen leichten Überschreitungen und einem Raser. Nicht alle die zu schnell fahren sind automatisch Raser. Bei Berichten über die Landwirtschaft wird das offenbar nicht so eng gesehen.

Nochmals, Tierquälerei tolerieren wir auf keinen Fall und unterstützen ein konsequentes Vorgehen und Sanktionieren der Behörden. Die genannten Artikel basieren gemäss Hintergrundinformationen auf sehr ausführlichen Recherchen. Wäre es da nicht angebracht, sich vor Ort ein Bild zu verschaffen was in der Schweiz auch alles Positives in Bezug auf die Tierhaltung unternommen wird? Wäre es nicht sinnvoll ebenfalls aufzuzeigen, wie die weltweit höchsten Tierschutzstandards umgesetzt werden? Aber natürlich: das gibt keine saftigen Schlagzeilen und keine überhitzte Empörungswelle.

Gerne laden wir Sie ein, diesen Sommer den einen oder anderen Betrieb mit uns zu besuchen und sich und Ihren Leserinnen und Lesern ein echtes Bild der Schweizer Landwirtschaft und Tierhaltung zeigen zu lassen. Ein Bild das nicht nur heile Welt darstellt, sondern ein Spiegel ist von harter Arbeit und echter Sorge um die eigenen Tiere. Dies in einer nicht ganz einfachen wirtschaftlichen Realität. Gerne erwarten wir Ihre Kontaktaufnahme in den nächsten Tagen.

Ergänzende Korrektur
Die KuL (
Verein Kontrollkommission für umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft)  führte im Kanton Bern im Jahr 2018 25 % der Kontrollen unangemeldet durch. 2019 werden es 40 % sein. Die Angaben im Artikel „Zu wenig Kontrollen: Tierquäler bleiben unentdeckt“ (BZ 1. Juli 2019) sind so nicht korrekt.
Ihre Ansprechpersonen
Andreas Wyss
Geschäftsführer
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Hans Jörg Rüegsegger
Präsident
Oechtlenweg 2
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031 809 34 89