Extreme Trockenheit: Ausnahmen im ÖLN und in DZ-Massnahmen möglich!
Die anhaltende Trockenheit gilt nach Direktzahlungsverordnung als höhere Gewalt (DZV Art. 106). Das erlaubt Ausnahmen im ÖLN und in Direktzahlungsmassnahmen. Jede Ausnahme muss zwingend mit einem Formular bei der Abteilung für Direktzahlungen des Kantons Bern beantragt werden. Das Formular muss von der Erhebungsstelle unterzeichnet und nach Möglichkeit mit Belegen (z.B. Fotos) unterstützt werden. Die Abteilung Direktzahlungen entscheidet über die Genehmigung. 
Nachfolgende Ausnahmen können beantragt werden: 
Suisse-Bilanz: die Zufuhr von zusätzlichem Futter über der Nährstoffbilanz kann beantragt werden. Die zusätzliche Zufuhr ist in der Suisse-Bilanz zu berücksichtigen, weitere Infos: Merkblatt. -> Formular zur Meldung von Fällen höherer Gewalt
GMF: Es darf anderes Grundfutter als Wiese- und Weidefutter über dem vorgegebenen Maximum angerechnet werden. Der Kraftfutteranteil darf unverändert maximal 10 % der Futterration betragen. Weiteres Infos: Merkblatt. -> Formular zur Meldung von Fällen höherer Gewalt
RAUS: Laufhof anstatt Weide möglich. Mindestens 26 Tage pro Monat Auslauf muss erfüllt sein. Die Tage im Laufhof müssen im Auslaufjournal eingetragen und mit „Futtermangel auf der Weide“ begründet werden. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende September 2022. Je nach Witterungsverlauf anschliessende Neubeurteilung. -> Formular zur Meldung von Fällen höherer Gewalt

Früheres Weiden von EXWI und WIGW: -> Gesuch Früheres Weiden von EXWI und WIGW; Naturschutzvertrag Kontakt mit Abteilung Naturförderung

Zusätzliche Ausnahmen in der Sömmerung: 
Vorzeitiger Alpabtrieb: Bei Nichterreichen des Mindesttierbesatzes aufgrund Futtermangels kann „höhere Gewalt“ geltend gemacht werden. Voraussetzung: in den letzten Jahren regelmässige Bestossung zwischen 90-110% und vergleichbarer Tierbestand in der aktuellen Alpsaison.
Für „höhere Gewalt“ im Sömmerungsgebiet ist eine Meldung notwendig. -> Formular zur Meldung von Fällen höherer Gewalt anlässlich Sömmerungserhebung 2022 eingeben oder direkt im GELAN elektronisch als Journaleintrag erfassen.
Futterzufuhr auf Sömmerungsbetrieben: Grundsätzlich dürfen laut DZV Art. 31 zur Überbrückung witterungsbedingter Ausnahmesituationen zusätzliche Futter in folgender Menge zugeführt werden: 
  • Max. 50 kg Dürrfutter oder 140kg Silage pro NST und Sömmerungsperiode 
  • Für gemolkene Kühe Milchziegen und Milchschafen zusätzlich 100kg Dürrfutter und 100kg Kraftfutter pro NST und Sömmerungsperiode 
  • Für jede Futterzufuhr sind der Zeitpunkt der Zufuhr sowie die Art, Menge und Herkunft des Futters in einem Journal festzuhalten

Bei extremer Trockenheit («höhere Gewalt») wie im Moment in gewissen Gebieten herrscht, dürfen weitere zusätzliche Futterzufuhren (mehr als obige Aufführung) getätigt werden. -> Formular zur Meldung von Fällen höherer Gewalt anlässlich Sömmerungserhebung 2022 eingeben oder direkt im GELAN elektronisch als Journaleintrag erfassen.

Empfohlenes Vorgehen: 
  • Analysieren, ob Ausnahmen für den Betrieb nötig sind
  • Dokumentieren von Dürre und Trockenheit mit Belegen (Fotos, Wetterbericht, Gutachten falls vorhanden)
  • Formular ausfüllen
  • Belege beilegen (Fotos etc.)
  • Von Erhebungsstellenleiter unterzeichnen lassen 
  • Bei der Abteilung Direktzahlungen einreichen, Rückmeldung innerhalb eines Arbeitstages 

Weitere Hinweise: 
  • Werden Ausnahmen gemacht ohne Bewilligung, können Direktzahlungsbeiträge gekürzt werden
  • Weitere Details zu den Ausnahmeregelungen finden Sie im Merkblatt 
  • Es können mehrere Anträge in einem Formular beantragt werden (z.B. Suisse-Bilanz und GMF) 
  • Es empfiehlt sich den Antrag mit Belegen einzureichen, eine Bewilligung ist aber unter Umständen auch ohne Belege möglich. 
  • Nach DZV müssen Fälle höherer Gewalt innerhalb von zehn Tagen nach Bekanntwerden der zuständigen kantonalen Behörde schriftlich gemeldet werden 

Bei weiteren Fragen können Sie sich an die Abteilung Direktzahlungen wenden.