Landwirtschaftlicher Ertragswert - neue Berechnungsgrundlage seit April 2018
Landwirtschaftlicher Ertragswert - neue Berechnungsgrundlage seit April 2018

Der Kanton Bern senkt die Gewerbegrenze auf 0.85, im Berggebiet und in der Voralpinen Hügelzone auf 0.6 SAK. Dies hat auch Folgen bei Pachten. Seit April gilt die neue eidgenössische Ertragswertschätzung, die Basis für die amtlichen Werte. In der Junisession senkte der Bernische Grosse Rat die kantonsweit geltende Gewerbegrenze von 1.0 auf 0.85 Standardarbeitskräfte (SAK) für das Talgebiet und für das Berggebiet inklusive die Hügelzone von 0.75 auf 0.6 SAK. Die Änderung der Ertragswertberechnung ändert auch die Pachtzinsberechnungen. Eine sofortige Anpassung der Pachtzinsen ist nicht zwingend. Wo besteht akut Handlungsbedarf, wo eilt es weniger und wer hilft bei Abklärungen und Neuberechnungen? 
Erklärende Erläuterungen zur Ertragswertschätzung in Kürze

Ertragswert und seine Auswirkungen
Der Ertragswert einer Liegenschaft dient der Unternehmensbewertung bei der Bemessung der Steuern, bei einer Betriebsübergabe oder im Zusammenhang mit der finanziellen Belastung der Liegenschaft (Belastungsgrenze). In den letzten vierzig Jahren wurde der Ertragswert fünf Mal revidiert und dem allgemeinen Zinsniveau angepasst, letztmals vor 14 Jahren. Die Zinsen sind seither gesunken. Die Senkung des Zinssatzes verursacht grundsätzlich eine Erhöhung des Ertragswertes.

Bei wertvermehrenden baulichen Massnahmen kommt der neue Ertragswert automatisch zur Anwendung.
Bei Hofübergaben oder auf Wunsch der Betriebsleitung kann bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Abteilung Amtliche Bewertung, eine Anpassung des Ertragswertes verlangt werden. Im Kanton Bern erfolgt die Anpassung des Ertragswertes in den nächsten Jahren.

 

Pachtzinsen
Die Änderung der landwirtschaftlichen Miet- und Ertragswerte von Liegenschaftsbestandteilen hat auch eine Änderung der Pachtzinsen zur Folge. Zudem erfährt die Zusammensetzung resp. die Berechnung des Pachtzinses eine Änderung. Die angepasste Pachtzinsverordnung gilt grundsätzlich ab April 2018. Bei bestehenden Pachtverhältnissen ist eine Pachtzinsanpassung frühestens auf das nächste Pachtjahr möglich.

 

Senkung der SAK-Werte und ihre Auswirkungen
Es ist noch nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt die neue kantonale Gewerbegrenze in Kraft tritt. Im September 2018 berät der Grosse Rat das Geschäft ein zweites Mal. Die Senkung des SAK – Grenzwertes kann zur Folge haben, dass Betriebe welche heute als „Landwirtschaftsbetriebe ohne Gewerbe-Status“ im Sinne des Bäuerlichen Bodenrechtes bewertet wurden, wieder zu formal „landwirtschaftlichen Gewerben“ werden.

Dies hat verschiedene Einflüsse auf Bestimmungen in Gesetzen und Verordnungen. Konkret betroffen sind das Bundesgesetz über das Bäuerliche Bodenrecht (BGBB), das Bundesgesetz über die Landwirtschaftliche Pacht (LPG) und das Bundesgesetz über die Raumplanung (RPG) mit den relevanten Verordnungen und Erläuterungstexten. Indirekt betroffen davon sind auch die Strukturverbesserungsverordnung (SVV) und die Direktzahlungsverordnung (DZV).


Haben Sie Fragen im Zusammenhang mit dem Ertragswert, dem Pachtzins und den Standardarbeitskräften? Die INFORAMA-Beratung und der Rechtsdienst des Berner Bauern Verband stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

INFORAMA BERATUNGEN
Ressort Berner Oberland, martin.jutzeler@vol.be.ch, Tel. 031 636 03 94
Ressort Emmental – Waldhof,  simon.joehr@vol.be.ch, Tel. 031 636 42 43
Ressort Rütti – Seeland,  matthias.rediger@vol.be.ch, Tel. 031 636 24 17

Ihre Ansprechpersonen
 
Zentrale Dienste
031 938 22 22