Der Herbst der verpassten Chancen
Der Herbst der verpassten Chancen

Eine gute Ernte beginnt mit einem guten Saatbeet. Nur wer den Boden gut vorbereitet, kann auch damit rechnen, dass sie oder er später eine gute Ernte einbringen kann. In ein gutes Saatbeet muss dann aber auch etwas gesät werden, damit etwas wachsen kann. Auch das weiss jeder Bauer. Macht man das nicht, fährt man im Herbst auch keine Ernte ein und alle Vorbereitungen waren für die Katz. Politisch gesehen haben wir aktuell genau das erreicht, was kein Bauer tun würde. 

 

Mit der Abstimmung zur Ernährungssicherheit, die vom Volk mehr als deutlich angenommen wurde, könnte das Saatbeet für eine künftige Agrarpolitik nicht besser vorbereitet gewesen sein. Nur scheint offenbar niemand willens oder fähig, auch etwas in dieses Saatbeet hinein zu legen. Der Bundesrat versucht es mit einer Gesamtschau, die inhaltlich eher eine Auflistung von allem was man machen könnte ist, als ein ernsthafter Vorschlag für die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Und mit dem einseitigen Fokus auf das Thema Freihandel, spielt der Bundesrat noch einen Steilpass zu all denen, die es immer schon gewusst haben, dass von Schneider Amman nichts anderes zu erwarten ist. Nun können diese die grossen Kanonen laden. Vermutlich ergibt dies keine gute Ernte.   

 

Auch die Welt der Verbände ist erstaunlich ratlos. Zwar gibt es Vorstellungen, was alles anders sein könnte, aber die sind etwa so konkret wie ein Windradprojekt im Tal der Totenwinde. Die Widersprüche könnten nicht grösser sein, die sich derzeit zwischen den Vorstellungen der Akteure auftun. Und somit schwindet auch hier die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saat.   

So wird der Herbst 2017 wohl als der Herbst der verpassten Chancen in Erinnerung bleiben. Und da ja schon bald Weihnachten ist, erlaube ich mir einen Wunsch zu äussern. Ich wünsche mir mutigere, visionärere Vorstellungen der Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Vorschläge, jenseits der schieren Geldverteilung und eine echte, offene Debatte über die Wege, die wir gehen müssen. Das wäre das Saatgut, das in das bereitete Saatbeet gelegt werden muss, damit auch in Zukunft die Schweizer Landwirtschaft gedeihen kann.   

Anmerkung des Autoren: Wir Berner haben einen Vorschlag. Dieser ist zwar noch nicht sehr konkret, immerhin aber schon im Boden.   
Andreas Wyss, Geschäftsführer Berner Bauern Verband

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