Agrarpolitik neu Denken
Agrarpolitik neu Denken

Viele Diskussionen beinhalten Meinungen oder Fragen, in welche Richtung die künftige Agrarpolitik gehen soll / wird. Diverse Akteure äussern ihre Forderungen darüber, welche Leistungen die Landwirtschaft in Zukunft erbringen soll. Konkrete Vorschläge sind jedoch noch ausstehen.

Als Berner Bauern Verband sind wir der Ansicht, dass es an der Zeit ist, statt Forderungen auch Ideen zu bringen. Unsere Idee können Sie hier lesen. Verbesserungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen.

Aktuelles System

Die Grundlage für die heutige Agrarpolitik wurde vor etwas mehr als 25 Jahren erarbeitet. Seither wurde das System mehrmals überarbeitet, weiterentwickelt und verfeinert. Mit jedem Schritt wurde versucht, Fehlanreize zu beheben und das System zu verbessern. Mit jedem Schritt wurde verstärkt in den Betriebsalltag eingegriffen. Mit jedem Schritt wurde jedoch auch die Komplexität höher und der administrative Aufwand für die Betriebe und den Vollzug haben sich vervielfacht. Versuche, das laufende System zu vereinfachen sind mehrmals gescheitert.
Aus diesem Grund erachten wir eine Weiterentwicklung des aktuellen Systems als nicht zielführend.  Wir sind der Ansicht, dass ein künftiges System der Agrarpolitik die Kompetenz des Landwirten / der Betriebsleiterfamilie zurückgeben soll und die Besonderheit des Einzelbetriebes im Vordergrund stehen muss. Ein neues System soll die Betriebsleiter / Betriebsleiterin mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen als Akteur ernst- aber auch in die Pflicht nehmen.

Das ist unser Vorschlag

Zwei wichtige Ziele sind die Steigerung der Wertschöpfung aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit und die Förderung der standortgerechten Produktion. Als Grundlage dazu dient der Nachweis einer gesamtbetrieblichen Nachhaltigkeit, in welcher die Besonderheiten des Einzelbetriebes im Zentrum stehen. Es werden somit alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch, sozial) berücksichtigt. Ein solches Abbild soll ermöglichen, den Mehrwert der Produkte aufzuzeigen und diesen am Markt zu realisieren. Zudem soll der Nachweis als Managementinstrument dienen.

Unser Vorschlag beinhaltet zwei Arten von Direktzahlungsbeiträgen.
Der sogenannter „Nachhaltigkeitsbeitrag“ wird ausbezahlt, wenn der Betrieb den Nachweis der gesamtbetrieblichen Nachhaltigkeit erfüllt. Dies bedeutet, auf dem Betrieb wird ein Instrument zur gesamtbetrieblichen Beratungssystematik angewendet und Verbesserungen werden über den ganzen Betriebszyklus angestrebt. Die Höhe des Nachhaltigkeitsbeitrages ist für alle Betriebe gleich gross - unabhängig von dessen Grösse, Lage, Standardarbeitskräfte, etc. Einziges Kriterium, welches eine Abstufung des Beitrages beeinflusst, ist der Anteil des Landwirtschaftlichen Einkommens am Gesamteinkommen. Beträgt das Landwirtschaftliche Einkommen z.B. 70% des Gesamteinkommens, erhält der Betrieb 70% des Nachhaltigkeitsbeitrages.
Der zweite Direktzahlungsbeitrag entschädigt Leistungen im Bereich der Allgemeingüter. Diese sind regional unterschiedlich und an klare Leistungen geknüpft. Dadurch kann gewährleistet werden, dass das Richtige am richtigen Ort geleistet und dementsprechend der notwendige Aufwand auch entschädigt wird.

Freiwilligkeit, lange Übergangsfristen und Investitionssicherheit sind wichtige Grundlagen unserer Idee. Nur so ist ein Übergang in ein neues System verträglich.

Wir verstehen unseren Vorschlag als Idee, die weiterentwickelt und in wesentlichen Punkten vertieft werden muss. Für Rückmeldungen und Diskussionen dazu sind wir gerne offen. Als Branche müssen wir nun endlich aus der ewigen Defensive kommen und aktiv die Zukunft mitgestalten.

Sie wollen mehr wissen?
Im folgenden Video erklärt Andreas Wyss die Grundzüge des Vorschlags:

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Wyss
Andreas Wyss
Geschäftsführer
Martina Iseli
Martina Iseli
Mitarbeiterin Politik und Märkte