Erfolgsgeschichte Corgémont
Erfolgsgeschichte Corgémont
Milchpreise zwischen 72 und 84 Rappen. Das sind nicht Wunschträume. Für die Bauernfamilien in der Société coopérative de fromagerie de la Combe du Bez sind sie Realität. Wie sich zwei Genossenschaften in einer Fusion zusammenschlossen und gemeinsamen mit einem innovativen Käser die Wertschöpfung aus ihrer Milch in den eigenen Händen behalten.

Der Neubau der der Fromagerie de la Suze

Der Neubau der der Fromagerie de la Suze

 

Selber das Heft in der Hand halten zu können, das sei, so der Päsident Martin Tschan, das wichtigste Anliegen der beteiligten Bauern gewesen. Die Käsereien der vorher zwei unabhängigen Genossenschaften waren in die Jahre gekommen. Eine neue Lösung für die Verarbeitung der Milch von insgesamt 18 Bauernbetrieben drängte sich auf. Nun steht Martin Tschan heute vor einem über 8 Millionen teuren Neubau und klärt die Besucher auf, wie die soeben fertig gestellte Käserei mittels Solarenergie und Holzschnitzelheizung ihren gesamten Energiebedarf aus nachhaltigen Quellen abdecken kann.

 

Martin Tschan (links) und Ernst Schweizer vom Berner Bauern Verband vor der Zentrale der Photovoltaikanlage, welche künftig 230`000 kW Strom für den Betrieb der neuen Käserei liefert

Martin Tschan (links) und Ernst Schweizer vom Berner Bauern Verband vor der Zentrale der Photovoltaikanlage, welche künftig 230`000 kW Strom für den Betrieb der neuen Käserei liefert

 

Einerseits ist der ökologische Aspekt durchaus ein Verkaufsargument für die abzusetzenden Milchprodukte. Anderseits ist der gesamte Komplex energetisch auf Effizienz getrimmt. Man kann das Projekt der Société coopérative de fromagerie de la Combe du Bez mit gutem Gewissen als Erfolgsstory bezeichnen. Der Käser Harald Kämpf diskutiert intensiv mit einem Monteur. Am Morgen hat die Milchabsaugeanlage gestreikt. Das ist wenig praktisch, aber zum Glück halten sich die Kinderkrankheiten der Anlage in Grenzen, obschon sie erst wenige Tage in Betrieb ist bei unserem Besuch. Nichts desto trotz, Harald Kämpf steckt in einer anstrengenden und emotionalen Phase mit seinem Betrieb. Er hat als Mieter der Käserei eine komplexe Planungsphase hinter sich und steht nun mitten in der Inbetriebnahme der Anlage, wo er jährlich 4,3 Millionen angelieferte Milch weiterverarbeitet.

 

Der Käser Harald Kämpf zeigt das wichtigste Absatzprodukt der Fromagerie de la Suze - der Tête der Moine. Daneben produziert der innovative und engagierte Käser noch verschiedenste Spezialitäten…

Der Käser Harald Kämpf zeigt das wichtigste Absatzprodukt der Fromagerie de la Suze - der Tête der Moine. Daneben produziert der innovative und engagierte Käser noch verschiedenste Spezialitäten…

 

… wie etwa den Erguel. Der Absatz läuft gut und stützt auf verschiedenste Kanäle. Auch im Export sieht der Käser noch weiteres Potenzial

… wie etwa den Erguel. Der Absatz läuft gut und stützt auf verschiedenste Kanäle. Auch im Export sieht der Käser noch weiteres Potenzial

 

Damit dieses Grossprojekt für die Bauernfamilien in der Genossenschaft und eben auch für den Käser und seine Familie ein Erfolg wurde, bis dahin waren unzählige Stunden Vorarbeiten nötig. Schon recht früh mit im Spiel war Ernst Schweizer. Der Genossenschaftsberater vom Berner Bauern Verband unterstützt dort, wo es mit der Anpassung von Statuten, der Fusion der Genossenschaften, mit Tragbarkeitsrechnungen und Zinsberechnungen kompliziert wird. Als unabhängiger Mittler zwischen Bauern, Genossenschaften und dem Käser trug er massgeblich dazu bei, dass der Käser einerseits einen Zins bezahlen muss, der für ihn tragbar ist und der ihm eine Entwicklung seines Betriebes ermöglicht. Andererseits erhalten die Landwirte einen Milchpreis, der sie einerseits ihre eigene Käserei finanzieren lässt, und der zudem immer noch einen anständigen Batzen für die einzelnen Landwirte abwirft.

 

Ein schönes Projekt für Genossenschaftsberater Ernst Schweizer (Mitte)

Ein schönes Projekt für Genossenschaftsberater Ernst Schweizer (Mitte)

 

Er müsse des Öfteren auch unbequem sein in solchen Beratungen, meint Ernst Schweizer. Seine Arbeit aber wird geschätzt. Martin Tschan ist sicher den richtigen Beratungspartner gewählt zu haben. Dieser sorgte bei den beiden Genossenschaften für eine saubere Ausgangslage. Wer bringt wie viel Geld in die neue Genossenschaft ein? Welche Immobilien werden zu welchem Preis verkauft? Wie geht eine Fusion rechtlich von Statten? Ernst Schweizer kann aus einem immensen Erfahrungsschatz in der Genossenschaftsberatung schöpfen. Dieses Projekt hier ist aber sicherlich eines der Grössten, welches er in seiner bisherigen Karriere begleitet hat. Und eines, welche er mit Freude beobachten wird in seiner Entwicklung.

 

Am 8. und 9. Oktober werden nun erst mal die Korken knallen. Die Fromagerie da la Suze – so nennt sich die Käserei – feiert ein zweitägiges Eröffnungsfest mit Führungen, Festwirtschaft, Marktständen und viel Musik. Und das Schönste daran: Die ganze Region freut sich mit und profitiert davon, dass die Wertschöpfung hier bleibt, im Berner Jura.

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Ernst Schweizer
Genossenschaftsberater